Wir planen wahrscheinlich mehr als fast jede Generation vor uns. Wir planen unsere Finanzen, unsere Urlaube, unsere berufliche Zukunft und unser Familienleben. Mit Kalendern, Apps und Versicherungen versuchen wir, möglichst wenig dem Zufall zu überlassen.
Vieles davon ist gut und verantwortungsvoll. Und trotzdem macht uns die Möglichkeit, immer mehr kontrollieren zu können, nicht unbedingt gelassener. Im Gegenteil. Je mehr wir kontrollieren können, desto schwerer fällt es uns manchmal, mit dem umzugehen, was außerhalb unserer Kontrolle liegt.
Was geschieht, wenn meine Pläne nicht aufgehen? Was wird aus meinen Kindern? Was, wenn eine Beziehung zerbricht, eine Krankheit kommt oder Gott mich auf einen Weg führt, dessen Verlauf ich nicht überblicken kann?
Genau in diese Spannung nimmt uns Esra 8 hinein.
Esra steht vor einer langen und gefährlichen Reise nach Jerusalem. Er muss planen und gleichzeitig vertrauen. Er trägt Verantwortung und weiß doch, dass er das Entscheidende nicht in seiner Hand hat.
Dreimal begegnet uns dabei ein entscheidender Ausdruck: die gute Hand Gottes.
1. Weil Gott wirkt, können wir planen
Esra 8 beginnt mit einer langen Liste von Menschen, die sich auf den Weg nach Jerusalem machen. Diese Rückkehrer gehören zu dem Volk, das Gott trotz Exil und Gericht nicht aufgegeben hat. Gott führt einen Teil seines Volkes aus der Fremde zurück in das Land, das er Israel gegeben hatte.
Doch bevor die Reise beginnt, entdeckt Esra ein Problem: Es sind keine Leviten dabei. Für den Dienst am Tempel werden sie dringend gebraucht.
Was tut Esra?
Er sagt nicht: „Gott wird das schon irgendwie regeln.“ Er analysiert die Situation, wählt geeignete Männer aus und schickt sie los, um Leviten für die Reise zu gewinnen. Und tatsächlich schließen sich Männer der Gruppe an.
Bemerkenswert ist, wie Esra den Erfolg anschließend erklärt:
„Da die gute Hand unseres Gottes über uns war, brachten sie uns einen verständigen Mann …“ (Esra 8,18)
Menschen haben geplant, gesprochen und gehandelt. Trotzdem erkennt Esra hinter ihrem Handeln Gottes Wirken.
Gottes Souveränität macht uns nicht passiv. Sie befreit uns vielmehr dazu, verantwortlich zu handeln.
Das gilt auch für unser Leben. Wir dürfen unsere Finanzen planen, Entscheidungen vorbereiten, Menschen ansprechen, unsere Kinder erziehen und Verantwortung in der Gemeinde übernehmen. Aber wir müssen dabei nicht so leben, als hinge das endgültige Ergebnis allein von uns ab.
Gerade dabei kann Planung allerdings zu etwas werden, das sie nie sein sollte: zu unserem Retter.
Planung ist gut. Aber wenn wir von unseren Plänen Sicherheit, Identität oder Kontrolle erwarten, die letztlich nur Gott geben kann, wird aus etwas Gutem ein Götze.
Darum stellt sich eine wichtige Frage: Was geschieht mit mir, wenn mein Plan scheitert?
Du darfst planen. Aber du musst nicht souverän sein.
„Das Herz des Menschen plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seinen Schritt“ (Sprüche 16,9).
Deswegen plane sorgfältig – und überlass das Ergebnis Gott.
2. Weil Gott trägt, können wir vertrauen
Irgendwann ist die Planung abgeschlossen. Dann muss Esra losgehen.
Vor ihm liegt mit Frauen und Kindern eine lange Reise. Dazu transportiert die Gruppe große Mengen Silber, Gold und wertvolle Tempelgeräte. Esra kennt die Gefahren dieses Weges.
Darum ruft er am Fluss Ahawa ein Fasten aus:
„… damit wir uns vor unserem Gott demütigten, um von ihm einen geebneten Weg zu erbitten für uns und unsere Kinder und alle unsere Habe.“ (Esra 8,21)
Fasten ist hier keine Methode, Gott zu manipulieren. Es ist Ausdruck von Abhängigkeit.
Esra bekennt damit, dass sie vieles vorbereiten können, aber sie können ihre Sicherheit nicht garantieren. Sie brauchen Gott.
Interessanterweise führt dieses Vertrauen wiederum nicht zu Leichtsinn. Nach dem Gebet wiegt Esra die wertvollen Güter ab, verteilt sie auf vertrauenswürdige Männer und gibt klare Anweisungen. Nach der Ankunft wird alles erneut überprüft.
Gottvertrauen ersetzt Verantwortung nicht. Es verändert die Art, wie wir Verantwortung tragen.
Ohne Gott denken wir leicht: „Alles hängt von mir ab. Wenn ich die Kontrolle verliere, bricht alles zusammen.“
Der Glaube sagt dagegen: „Ich möchte treu mit dem umgehen, was Gott mir anvertraut hat. Aber ich bin nicht der Retter dieser Situation.“
Das gilt für unser Geld, unsere Arbeit und unsere Gemeinde. Es gilt ebenso für Menschen, die uns anvertraut sind.
Gerade Eltern kennen diese Spannung. Wir sollen unsere Kinder lieben, schützen, begleiten, Grenzen setzen und gute Entscheidungen für sie treffen. Aber wir können ihre Zukunft nicht kontrollieren. Wir können nicht jede Gefahr verhindern und nicht jede spätere Entscheidung für sie treffen.
Wir übernehmen Verantwortung und vertrauen Gott mit dem, was wir nicht tragen können.
Doch was geschieht, wenn unser Vertrauen selbst schwach ist?
Dann wäre es fatal, wenn die Botschaft von Esra 8 nur lauten würde: „Sei genau so mutig und gläubig wie Esra.“
Die Bibel führt uns da tiefer.
Esra bekennt, dass Gottes gute Hand über denen ist, die ihn suchen, während sein Gericht diejenigen trifft, die ihn verlassen (V. 22). Doch das Neue Testament zeigt uns unsere tiefste Not: „Da ist keiner, der Gott sucht“ (Römer 3,11). Von Natur aus leben wir nicht vertrauensvoll unter Gottes Herrschaft, sondern wenden uns von ihm ab.
Darum brauchen wir mehr als ein gutes Vorbild. Wir brauchen einen Retter.
Jesus Christus ist der Eine, der dem Vater vollkommen vertraut und gehorcht hat. Und trotzdem trägt er am Kreuz das Gericht, das wir verdient haben. Er stirbt stellvertretend für Sünder und steht von den Toten auf, damit Menschen, die sich von Gott abgewandt haben, Vergebung und neues Leben empfangen können.
Deshalb besteht christlicher Glaube nicht darin, möglichst stark zu glauben. Er richtet selbst schwachen Glauben auf einen starken Retter.
„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24).
Vertrauen heißt nicht, den Weg zu kennen, sondern die Hand zu kennen, die uns trägt.
3. Weil Gott bewahrt, können wir danken
Nach fast vier Monaten Reise kommt die Gruppe schließlich in Jerusalem an.
Esra fasst die ganze Reise erstaunlich knapp zusammen:
„Und die Hand unseres Gottes war über uns, und er errettete uns aus der Hand des Feindes und des Wegelagerers.“ (Esra 8,31)
Esra blickt zurück und sieht nicht zuerst seine gute Organisation. Er sieht Gottes gute Hand.
Auch wir vergessen nach dem Bitten leicht das Danken. In einer Krise beten wir intensiv um Hilfe. Ist sie vorbei, sagen wir schnell: „Es ist noch einmal gut gegangen.“
Esra lädt uns zu einem anderen Rückblick ein: Wo hat Gott getragen? Wo hat er Menschen zur Seite gestellt? Wo hat er Türen geöffnet? Wo hat er vergeben, nachdem wir versagt haben? Wo hat seine Gnade uns durchhalten lassen?
Doch Esra 8 führt noch weiter.
Nach ihrer Ankunft bringen die Rückkehrer Gott Opfer dar; darunter Sündopfer für ganz Israel. Sie sind zwar sicher in Jerusalem angekommen, aber ihr tiefstes Problem ist damit nicht verschwunden.
Sie sind aus der Fremde zurückgekehrt, doch sie brauchen weiterhin Versöhnung mit dem heiligen Gott.
Diese Opfer weisen über sich hinaus. Sie können Schuld nicht endgültig beseitigen. Dafür braucht es Jesus Christus. Er kommt nicht nur, um uns auf einem schwierigen Lebensweg zu begleiten. Er kommt, um Sünder mit Gott zu versöhnen und sie endgültig nach Hause zu bringen.
Deshalb sagt Jesus über seine Schafe:
„Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Johannes 10,28)
Das ist die tiefste Hoffnung hinter dem Bild von Gottes guter Hand.
Christen wird kein leichter Weg versprochen. Wir werden Angst kennen, leiden, fallen und manchmal nicht wissen, wie es weitergeht.
Aber wenn wir zu Jesus gehören, wird er uns nicht verlieren.
Wir kommen nicht ans Ziel, weil wir stark genug an Jesus festhalten. Wir kommen ans Ziel, weil Jesus uns festhält.
Darum können wir planen, ohne alles kontrollieren zu müssen. Wir können vertrauen, obwohl wir den Weg nicht kennen. Und wir können dankbar zurückblicken, ohne uns selbst großzumachen.
Denn am Ende werden wir nicht sagen: „Gut, dass ich stark genug gewesen bin.“
Sondern: „Was für ein Retter. Was für eine Gnade. Was für eine gute Hand!“
Zum Weiterdenken
und Austauschen
- Wo versuchst du gerade, alles selbst möglich machen zu müssen? Worauf ruht dein Herz beim Planen? Wo gibt dir das Evangelium Freiheit, verantwortlich zu planen, ohne deine Identität an Erfolg oder Scheitern zu hängen? Lest gemeinsam 1. Korinther 15,10.
- Welche Unsicherheit versuchst du gerade durch Kontrolle zu beherrschen? Wie würde es aussehen, sie ehrlich vor Gott zu bringen? Wo kennst du Gottes Wahrheit im Kopf, merkst aber, dass dein Herz Mühe hat, ihr praktisch zu vertrauen? Lest gemeinsam 1. Petrus 5,6-7.
- Wo kannst du im Rückblick Gottes bewahrende Hand erkennen, obwohl du sie damals kaum wahrgenommen hast? Wofür hast du Gott einmal dringend gebeten – und bist dann nach seiner Hilfe schnell wieder zum Alltag übergegangen, ohne bewusst zu danken? Lest gemeinsam Psalm 121,7-8.
Die Predigt zum Thema
Du willst tiefer einsteigen? Dieser Blogartikel ist eine Zusammenfassung der Predigt „Was Gottes gute Hand für uns bedeutet“ über Esra 8 aus der Reihe „Aufbruch – Wenn Gott Neues beginnt“.