Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus hatten eine Hoffnung, die falsch ausgerichtet war: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“ (Lk 24,21)
Das Problem war nicht, dass sie von Jesus zu viel erwarteten. Das Problem war, dass sie das Falsche erwarteten.
Sie erwarteten einen politischen Retter, schnelle Veränderung und einen sichtbaren Sieg. Und genau deshalb waren sie enttäuscht.
Nicht, weil Jesus versagt hatte. Sondern weil sie ihn falsch verstanden hatten.
Die falsche Erwartung ist nicht die Hoffnung auf Hilfe. Die falsche Erwartung ist, Jesus auf meine Agenda festlegen zu wollen.
Aber heißt das jetzt, dass ich von Jesus gar nichts Konkretes erwarten darf?
Darf ich nicht hoffen, dass er eingreift? Darf ich nicht erwarten, dass er hilft?
Welche Erwartungen an Jesus sind dann falsch? Und welche darf ich haben?
Das sind keine theoretischen Fragen. Das sind Herzensfragen. Hier zeigt sich, ob unser Glaube tragfähig ist.
Viele Christen erleben Enttäuschungen, nicht weil sie zu viel von Jesus erwarten, sondern weil sie das Falsche von ihm erwarten.
Die Bibel hilft uns klarer zu sehen, und zu unterscheiden zwischen falschen Erwartungen und richtigen Erwartungen an Jesus. Und diese Unterscheidung entscheidet oft darüber, ob wir in Krisen bitter werden oder lernen, tiefer zu vertrauen.
1. Falsche Erwartungen: Wenn wir Jesus missverstehen
Jesus muss meine Probleme so lösen, wie ich es will
Wir dürfen bitten. Natürlich auch konkret und dringlich.
Aber schwierig wird es, sobald wir innerlich sagen: „Wenn Jesus wirklich gut ist, dann muss er genau das tun, was ich jetzt will.“ Das ist kein Glaube, sondern Kontrolle.
Paulus betet dreimal um Befreiung von seinem Leiden. Doch Jesus antwortet ihm: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“ (2. Kor 12,9)
Jesus hilft, aber nicht immer so, wie wir es erwarten. Wir dürfen ihn nicht auf unsere Form der Hilfe festlegen.
Jesus ist da, um mein Leben angenehm zu machen
Viele Erwartungen heute lauten im Kern: „Mach mich gesund!“, „Mach mich glücklich!“, „Nimm meine Probleme weg!“.
Und Jesus hilft auch wirklich. Jesus tröstet wirklich. Jesus greift wirklich ein. Aber wenn wir meinen, das sei sein Hauptauftrag, dann verkennen wir ihn.
Jesus macht anderes zur Priorität: „Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?“ (Mk 8,36)
Das größte Problem des Menschen sind nicht unsere Lebensumstände. Nicht Krankheit, Einsamkeit, Geldmangel oder eine politische Lage.
Das größte Problem des Menschen ist unsere Trennung von Gott. Die Entfremdung von Gott durch Sünde (vgl. Jes 59,2; Röm 3,23; Eph 2,1-3).
Wenn wir Jesus vor allem als Lebensverbesserer sehen, haben wir ihn schon kleiner gemacht, als er ist.
Wenn er nur noch Mittel zum Zweck ist, dann lieben wir am Ende nicht ihn, sondern das, was wir durch ihn bekommen wollen.
Jesus schuldet mir ein leidfreies Leben
Jesus verspricht kein Leben ohne Schmerz. Er sagt vielmehr: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)
Und Petrus schreibt: „Wundert euch nicht über die Nöte, die wie ein Feuersturm über euch hereingebrochen sind und durch die euer Glaube auf die Probe gestellt wird; denkt nicht, dass euch damit etwas Ungewöhnliches zustößt.“ (1. Petr 4,12 NGÜ)
Leiden ist kein Zeichen, dass Jesus uns verlassen hat. Oft ist es der Ort, an dem wir ihn tiefer kennenlernen.
Wenn ich Jesus folge, bin ich nicht allein im Leiden, und mein Leiden hat nicht das letzte Wort.
Wenn Jesus mich liebt, erfüllt er jeden guten Wunsch
Gesundheit ist gut. Heilung ist gut. Bewahrung ist gut. Aber selbst gute Wünsche dürfen nicht zu Ansprüchen werden, nach dem Motto: „Herr, wenn du gut bist, musst du das jetzt tun.“
Der Aussätzige spricht zu Jesus: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ (Mt 8,2)
Darin zeigt sich Glaube. Im Vertrauen in seine Macht und in seinen Willen. Jesus ist nicht unser Werkzeug. Er ist der Herr.
Darum lasst uns zu Gott beten wie Jesus: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Lk 22,42)
2. Wozu ist Jesus wirklich gekommen?
Wenn wir Jesus richtig erwarten wollen, müssen wir verstehen, warum er gekommen ist. Die Bibel ist hier eindeutig:
- „Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lk 19,10)
- „Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten.“ (1Tim 1,15)
- „Der Sohn des Menschen ist … gekommen, … sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ (Mk 10,45)
Jesus kam nicht zuerst, um unser Leben einfacher zu machen. Er kam, um uns mit Gott zu versöhnen.
Das Kreuz zeigt, dass unser tiefstes Problem nicht unser Leid ist, sondern unsere Schuld. Und genau dafür ist Jesus gekommen.
3. Richtige Erwartungen: Was Jesus wirklich verspricht
Die Bibel lädt uns ein, viel von Jesus zu erwarten. Doch dürfen wir eben nur das erwarten, was er selbst versprochen hat.
Du darfst erwarten, dass Jesus deine tiefste Not stillt
- Versöhnung mit Gott. Frieden mit Gott. Kindschaft. Zugang zum Vater. Ewiges Leben.
- „Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen.“ (Joh 10,28)
- (vgl. Röm 5,1; Gal 4,4-7; Eph 2,18; Joh 4,13-14; 6,35)
Du darfst erwarten, bei Jesus Ruhe zu finden
- „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken.“ (Mt 11,28)
- Echte Erfüllung, Ruhe im Herzen und anhaltende Freude ist allein bei ihm zu finden.
Du darfst erwarten, dass Jesus dich annimmt, wenn du zu ihm kommst
- „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ (Joh 6,37)
Du darfst erwarten, dass Jesus dich nicht verlässt
- „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit.“ (Mt 28,20)
- Jesus verspricht kein leichtes Leben. Aber er verspricht, dass du nie alleine gehst. (vgl. Hebr 13,5)
Du darfst erwarten, dass Jesus niemanden verliert, den der Vater ihm gibt
- „Sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh 10,28-29)
- Jeder, der glaubt, darf sich daran festhalten, dass Jesus ihn festhält.
Du darfst erwarten, dass dich nichts von Jesu Liebe trennen kann
- „Denn ich bin gewiss, dass [nichts] uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm 8,38-39)
Du darfst erwarten, dass Jesus dich hört
- „Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, dass er uns hört, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten.“ (1Joh 5,14)
Du darfst erwarten, dass Jesus Mitleid hat
- „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten.“ (Hebr 4,15)
Du darfst erwarten, dass Jesus nichts entgleitet und er alles führt
- „der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens.“ (Eph 1,11)
- Jesus ist nicht nur Retter, sondern auch souveräner Herr. Er regiert die Welt und führt auch unsere persönliche Geschichte. (vgl. Kol 1,16-17; Hebr 1,3; Ps 115,3)
Du darfst erwarten, dass Jesus dich durchs Leid hindurch bewahrt
- „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ (Röm 8,28)
- Gott hat dein Bestes im Sinn, auch wenn es sich gerade nicht danach anfühlt. (vgl. Joh 11,5-6)
Du darfst erwarten, dass Jesu Gnade ausreicht
- „Lass dir an meiner Gnade genügen.“ (2Kor 12,9)
- Das ist keine Notlösung, sondern ein sicheres ein Versprechen.
Du darfst erwarten, dass Jesus dich heiligt
- „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“ (Röm 8,29)
- Er liebt dich zu sehr, um dich dir selbst zu überlassen. (vgl. Phil 1,6; Hebr 12,5-11)
Du darfst erwarten, dass Jesus wiederkommt
- „Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ (Joh 14,3)
Du darfst erwarten, dass Jesus eines Tages alles neu macht
- „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb 21,4)
- Nicht vielleicht. Nicht symbolisch. Sondern wirklich. (vgl. Röm 8,18-25; 1Kor 15,42-57)
4. Fazit: Erwarte viel, aber erwarte das Richtige
Falsche Erwartungen machen uns bitter. Doch richtige Erwartungen machen uns frei.
Falsche Erwartungen an Jesus können sein:
- Du musst mein Leben jetzt so lösen, wie ich es will.
- Du bist vor allem für meine äußeren Umstände da.
- Wenn du mich liebst, nimmst du jedes Leid sofort weg.
Richtige Erwartungen an Jesus dagegen sind u.a.:
- Du hörst mich.
- Du meinst es gut.
- Du bist bei mir.
- Du vergibst Sünde.
- Du rettest Sünder.
- Du gibst Gnade im Leiden.
- Du führst weise.
- Du verlierst die Deinen nicht.
- Du wirst am Ende alles neu machen.
Es geht nicht darum, wenig von Jesus zu erwarten, sondern das Richtige von ihm zu erwarten.
Denn wenn du zu wenig von ihm erwartest, machst du ihn klein. Und wenn du das Falsche von ihm erwartest, wirst du enttäuscht. Aber wenn du von ihm erwartest, wer er wirklich ist, dann findest du Trost, selbst mitten im Leid.
Darum erwarte nicht, dass Jesus immer deine Umstände verändert. Erwarte, dass er dich in deinen Umständen trägt, rettet und ans Ziel bringt.
Die Predigt zum Thema
Du willst tiefer einsteigen? Dieser Blogartikel ist eine Ergänzung zur Predigt „Wie du den König wirklich erkennst“ über Lukas 24,13-27 aus der Reihe „Das Reich des Königs – Vom Kreuz zur Kirche“.