Ostern ist für uns vertraut. Wir kennen das Ende der Geschichte. Wir wissen, dass Jesus auferstanden ist. Die Jünger wussten das in diesem Moment noch nicht so, wie wir es wissen. Für sie war Karfreitag nicht der dunkle Durchgang zum Osterjubel, sondern das Ende ihrer Hoffnungen. Ihr Meister war gekreuzigt worden. Der, der Kranke geheilt und Tote auferweckt hatte, war selbst gestorben und begraben worden.
Und dann steht er plötzlich mitten unter ihnen.
Lukas beschreibt keine religiöse Idee, keine fromme Stimmung, keinen inneren Trostgedanken. Er berichtet von einer Begegnung: Der auferstandene Jesus tritt zu seinen Jüngern. Und diese Begegnung verändert alles.
1. Er spricht zu den Jüngern
„Friede sei mit euch!“ (V. 36) Das sind die ersten Worte Jesu in dieser Szene.
Die Jünger reagieren nicht souverän. Sie erschrecken. Sie fürchten sich. Sie meinen, einen Geist zu sehen. Das ist verständlich. Sie sind nicht vorbereitet auf Ostern. Sie sind nicht die Helden des Glaubens, die sofort alles begreifen. Sie sind verunsichert, überfordert, innerlich durcheinander.
Gerade in diese Angst hinein spricht Jesus Frieden.
Das ist mehr als ein freundlicher Gruß. Jesus spricht als der Auferstandene. Er ist derselbe Herr, dessen Wort Kranke heilte, Stürme stillte und Tote aus dem Grab rief. Wenn er Frieden zuspricht, dann ist das nicht bloß ein Wunsch. Es ist die Frucht dessen, was er gerade am Kreuz vollbracht hat.
Jesus kommt nicht zu seinen versagenden Jüngern, um sie zuerst anzuklagen. Sie hatten ihn verlassen. Sie waren geflohen. Ihre letzte große gemeinsame Stunde war nicht von Treue geprägt, sondern von Angst und Scheitern. Und doch kommt Jesus nicht mit Rache. Er kommt mit Frieden.
Das bedeutet nicht, dass Schuld unwichtig wäre. Es bedeutet, dass Jesus die Schuld am Kreuz getragen hat. Sein Friede ist kein billiges Darüberhinwegsehen. Es ist teuer erkaufter Friede. Frieden mit Gott. Frieden, der tiefer reicht als unsere Umstände und stärker ist als unser Versagen.
Vielleicht ist genau das schwer zu glauben. Vielleicht denkst du: „Für andere mag das gelten. Aber nicht für mich. Nicht nach dem, was ich getan habe. Nicht mit dem, was ich immer noch mit mir herumtrage.“ Doch schau genau hin: Jesus tritt zu Menschen, die ihn im entscheidenden Moment verlassen haben, und spricht: „Friede sei mit euch.“
Der Friede Jesu gilt nicht Menschen, die sich vorher selbst in Ordnung gebracht haben. Er gilt denen, die ihn brauchen und zu ihm kommen.
2. Er zeigt sich den Jüngern
Jesus spricht nicht nur. Er zeigt sich auch.
Er sagt: „Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.“ (V. 39)
Jesus begegnet dem Zweifel seiner Jünger nicht mit Ungeduld. Er beschämt sie nicht. Er gibt ihnen, was sie brauchen Seine Gegenwart, sein Wort und den Blick auf seine Wunden.
Diese Wunden zeigen zuerst, dass der Auferstandene wirklich der Gekreuzigte ist. Vor ihnen steht kein Geist, keine Einbildung, keine symbolische Hoffnung. Es ist Jesus selbst. Der, der am Kreuz hing, lebt.
Und doch sagen diese Wunden noch mehr. Sie erinnern daran, wie weit seine Liebe gegangen ist. Seine Hände und Füße tragen die Spuren des Kreuzes. Die Wunden sind kein Zeichen einer Niederlage, sondern Zeichen seines Sieges. Sie sagen: Die Schuld ist getragen. Der Tod ist besiegt. Die Gnade ist wirklich.
Wir neigen dazu, unsere Schuld entweder kleinzureden oder uns von ihr erdrücken zu lassen. Das Evangelium tut beides nicht. Es verharmlost Sünde nicht. Die Wunden Jesu zeigen, wie ernst unsere Schuld ist. Aber sie zeigen zugleich, wie groß seine Gnade ist.
Darum dürfen Christen ihre Schuld ehrlich anschauen, ohne daran zu verzweifeln. Wir müssen nicht so tun, als wäre alles gut. Aber wir müssen auch nicht so leben, als wäre das Kreuz nicht genug.
Wenn du zu Christus gehörst, dann sind seine Wunden kein Anklageschreiben gegen dich. Sie sind der sichtbare Beweis, dass er wirklich für dich bezahlt hat. Nicht halb. Nicht vorläufig. Nicht nur für frühere Sünden. Sondern vollständig.
Jesus zeigt sich den Jüngern, damit ihre Angst nicht das letzte Wort behält. Er zeigt ihnen: „Ich bin es wirklich. Und meine Gnade ist wirklich genug.“
3. Er isst vor den Jüngern
Dann geschieht etwas Alltägliches und zugleich Wunderbares. Jesus fragt: „Habt ihr hier etwas zu essen?“ (V. 41) Sie geben ihm ein Stück gebratenen Fisch. Und er nimmt es und isst vor ihnen.
Warum ist das wichtig?
Weil Lukas zeigen will, dass Jesus leiblich auferstanden ist. Er ist kein Geist. Keine religiöse Idee. Kein Trostbild. Der auferstandene Herr hat Fleisch und Knochen. Er isst. Er lebt wirklich.
Das ist entscheidend für unseren Glauben. Christliche Hoffnung bedeutet nicht, dass unsere Seele irgendwann aus dieser Welt entflieht und alles Körperliche hinter sich lässt. Die Auferstehung Jesu zeigt, dass Gott nicht nur „innerlich“ oder „geistlich“ rettet. Er macht tatsächlich alles neu.
Der auferstandene Jesus ist der Anfang der neuen Schöpfung. Sein Leib ist der erste Hinweis darauf, wohin Gottes Geschichte führt. Nicht in ein blasses, körperloses Dasein, sondern in eine erneuerte Welt, in der Tod, Schmerz, Schuld und Zerbruch nicht mehr sein werden.
Darum ist die Auferstehung so tröstlich. Für alle, die krank sind. Für alle, die ihren Körper als Last erleben. Für alle, die Menschen loslassen mussten, die in Christus gestorben sind. Für alle, die spüren, dass diese Welt schön ist, aber eben auch zutiefst zerbrochen.
Jesus isst vor seinen Jüngern. Das wirkt fast unscheinbar. Aber darin liegt eine tiefe Ruhe. Der Tod hat nicht gewonnen. Die Schuld hat nicht gewonnen. Die Angst hat nicht gewonnen. Jesus lebt. Und weil er lebt, haben alle, die zu ihm gehören, eine Zukunft.
Was machen wir mit dieser Begegnung?
Lukas lädt uns nicht nur ein, über die Jünger nachzudenken. Er lädt uns ein, auf Jesus zu sehen.
Auf den König, der in verschlossene Räume tritt. Auf den Retter, der Frieden spricht. Auf den Gekreuzigten, der seine Wunden zeigt. Auf den Auferstandenen, der wirklich lebt.
Vielleicht sitzt du innerlich auch in einem verschlossenen Raum. Mit Angst. Mit Schuld. Mit Zweifeln. Mit der Frage, ob Jesus dir wirklich noch gnädig begegnet.
Dann ist diese Geschichte für dich.
Jesus sagt nicht: „Bring erst alles in Ordnung, dann komme ich.“ Er kommt als der, der am Kreuz alles vollbracht hat. Und er ruft dich nicht zuerst zu einer Leistung, sondern zu sich selbst.
Komm zu Christus. Höre sein Wort. Sieh auf seine Wunden. Vertraue seinem Frieden.
Denn der auferstandene König lebt. Und wer zu ihm kommt, findet keine Anklage, sondern Gnade.
Zum Weiterdenken
und Austauschen
- Welche „Stimmen“ prägen dein Denken im Alltag stärker als die Stimme Jesu? Und wie kannst du lernen, seine Stimme neu zu hören und ihr zu vertrauen? Lest gemeinsam Psalm 119,105.
- Was löst es in dir aus, wenn du daran denkst, dass Jesus seine Wunden zeigt (als bleibendes Zeichen seiner Liebe zu dir)? Lest gemeinsam 1. Petrus 2,24.
- Wenn Jesus wirklich lebt und gegenwärtig ist, wie könnte sich das ganz praktisch in deinem Alltag zeigen (in Beziehungen, Entscheidungen, Prioritäten)? Lest gemeinsam Kolosser 3,1-4.
Die Predigt zum Thema
Du willst tiefer einsteigen? Dieser Blogartikel ist eine Zusammenfassung der Predigt „Die Königsbegegnung“ über Lukas 24,36-43 aus der Reihe „Das Reich des Königs – Vom Kreuz zur Kirche“.